PIERO SINI ÜBER:
Taifa 2022
Das Alentejo kann auch ganz anders! Wer bei dieser südportugiesischen Weinregion ausschließlich an Hitze, kraftvolle Rotweine und üppige Frucht denkt, sollte sich unbedingt einmal mit den Höhenlagen von Portalegre beschäftigen. Ganz im Norden des Alentejo, an den Ausläufern der Serra de São Mamede, liegt auf rund 500 Höhenmetern die Quinta da Fonte Souto. Ein wunderschönes, 207 Hektar umfassendes Anwesen, das 2017 von der traditionsreichen Familie Symington erworben wurde. Für die berühmten Portweinproduzenten, zu deren Besitz unter anderem Graham’s, Dow’s und Warre’s gehören, war es der erste Schritt außerhalb des heimischen Douro-Tals. Und was für einer! Die klimatischen Voraussetzungen könnten kaum spannender sein. Während weite Teile des Alentejo im Sommer unter extremer Hitze leiden, profitieren die Weinberge rund um Portalegre von ihrer Höhenlage, kühleren Nächten und deutlich moderateren Temperaturen. Dazu kommen ältere, ertragsarme Rebstöcke, die konzentrierte Trauben von bemerkenswerter Qualität hervorbringen. Genau hier entsteht der Taifa, der große Weißwein der Quinta da Fonte Souto. Eine Cuvée aus 70 Prozent Arinto und 30 Prozent Verdelho, die eindrucksvoll zeigt, welches Potenzial diese beiden portugiesischen Rebsorten besitzen.
Der Name Taifa ist übrigens eine Hommage an die bewegte Geschichte der Region. Nach dem Zerfall des Kalifats von Córdoba im 11. Jahrhundert entstanden auf der Iberischen Halbinsel zahlreiche unabhängige muslimische Fürstentümer, die sogenannten Taifas. Auch das heutige Portalegre gehörte einst zu einem dieser Herrschaftsgebiete. Ein geschichtsträchtiger Name für einen Wein, der durchaus den Anspruch erhebt, zu den großen Weißweinen Portugals zu gehören. Dieser war alles andere als einfach. Wenig Niederschlag im Winter und Frühjahr, gefolgt von mehreren massiven Hitzewellen im Juli und August. Bedingungen, die den Rebstöcken einiges abverlangten. Doch gerade hier zeigte sich die außergewöhnliche Qualität der Weinberge. Die besonderen klimatischen Bedingungen der Höhenlagen ermöglichten eine ausgewogene Reife, während insbesondere der Arinto seine beeindruckende natürliche Säure bewahren konnte. Für den Taifa werden ausschließlich ausgewählte, ältere Weinbergsparzellen berücksichtigt, deren Trauben bewusst früher gelesen werden, um möglichst viel Frische und Spannung zu erhalten. Die Lese erfolgt vollständig von Hand in kleinen Kisten. Nach einer sorgfältigen Selektion werden die Trauben entrappt, leicht angequetscht und schonend gepresst. Die Gärung beginnt zunächst im Edelstahl, bevor ein Teil des Mostes bereits während der alkoholischen Fermentation in 500 Liter fassende Eichenholzfässer überführt wird. Anschließend reift der Wein insgesamt elf Monate in französischen und ungarischen Eichenholzfässern, davon 70 Prozent neues und 30 Prozent einmal belegtes Holz. Der Kontakt mit der Feinhefe und die regelmäßige Bâtonnage verleihen dem Taifa seine außergewöhnliche Struktur und cremige Textur. Bemerkenswert ist dabei, wie gekonnt der Holzeinsatz in die Gesamtstruktur eingebunden ist. Hier wird nicht versucht, einen möglichst opulenten Weißwein zu erzeugen. Vielmehr geht es um Tiefe, Präzision und Balance.
Und dann dieser Duft! Eine wunderbar klare, fast vibrierende Zitrusfrucht, reife Zitronen, etwas Orangenzeste und saftige gelbe Pflaumen. Dazu Aprikose, ein Hauch weißer Blüten und diese ungemein elegante florale Note von Orangenblüten. Mit etwas Luft kommen feine Anklänge von Honig und Vanille hinzu, ohne dass die Frucht auch nur ansatzweise von der Holzreife überdeckt wird. Die Aromatik besitzt eine bemerkenswerte Tiefe und bleibt dabei erstaunlich frisch und präzise. Nichts wirkt überreif, nichts ist laut oder aufgesetzt. Vielmehr entsteht ein faszinierendes Zusammenspiel aus reifer südlicher Frucht, kühler Frische und einer dezenten mineralischen Würze. Am Gaumen wird es dann richtig spannend! Hier treffen zwei scheinbar vollkommen gegensätzliche Welten aufeinander. Auf der einen Seite eine ungemein saftige, fast opulente Frucht mit reifer Aprikose, gelber Pflaume, etwas Quitte und einer wunderbar geschmeidigen, beinahe öligen Textur. Dazu dieser feine cremige Schmelz, der sich über den gesamten Gaumen legt und dem Wein eine beeindruckende Fülle verleiht. Auf der anderen Seite eine straffe, zitrisch geprägte Säure, die sich mit erstaunlicher Präzision durch diese ganze Fülle zieht. Zitronenzeste, reife Limette und eine deutlich wahrnehmbare salzige Mineralität sorgen für Spannung und Frische. Genau dieser Kontrast ist es, der den Taifa so unglaublich interessant macht. Man hat einen kraftvollen, tiefgründigen Weißwein im Glas, der sich trotz seiner Konzentration niemals schwer anfühlt. Die cremige Textur und der fein dosierte Holzeinsatz geben ihm Volumen und Struktur, während die Säure permanent dagegenarbeitet und alles in Bewegung hält. Eine fast elektrisierende Frische, die immer wieder die reife Frucht durchbricht. Dazu gesellt sich im weiteren Verlauf eine zunehmend ausgeprägte Salzigkeit, die dem Wein eine zusätzliche Dimension verleiht. Das ist ausgesprochen komplex, ungemein harmonisch und vor allem wunderbar eigenständig. Auch im Nachhall zeigt der Taifa seine ganze Klasse. Zunächst nochmals Aprikose, gelbe Pflaume und etwas kandierte Zitrone, dann eine feine Honignote, eine Spur Vanille und diese faszinierende, beinahe jodige Salzigkeit. Die Säure bleibt präsent, ohne jemals aggressiv zu wirken, und zieht den Wein in einen enorm langen, mineralisch geprägten Abgang. Die Frucht klingt langsam aus, während die salzige Spannung noch lange am Gaumen stehen bleibt. Beeindruckende Länge, viel Substanz und eine wirklich großartige Balance.
Besonders faszinierend ist dabei die Kombination der beiden Rebsorten. Arinto, eine der spannendsten weißen Rebsorten Portugals, bringt selbst unter heißen klimatischen Bedingungen eine bemerkenswert stabile Säurestruktur mit. Verdelho ergänzt diese Frische durch aromatische Fülle, reife Frucht und eine geschmeidige Textur. Was hier entsteht, ist kein beliebiger, im Holz ausgebauter Weißwein aus dem Süden Europas, sondern ein ausgesprochen eigenständiger Wein mit einer klaren Herkunft und enormem Charakter. Der Taifa Wein besitzt eine bemerkenswerte Balance aus Kraft, Struktur und Frische. Die elfmonatige Holzreife verleiht ihm zusätzliche Tiefe und Komplexität, ohne seine Herkunft oder die Typizität der Rebsorten zu überdecken. Auch das Reifepotenzial ist beachtlich. Die Familie Symington traut diesem Jahrgang weitere zehn bis fünfzehn Jahre Flaschenentwicklung zu. Durchaus nachvollziehbar angesichts dieser Struktur, der lebendigen Säure und der enormen inneren Spannung. Genau das ist die spannende Zukunft großer portugiesischer Weißweine. Nicht mehr Kraft um jeden Preis, nicht möglichst viel Holz und Konzentration, sondern Herkunft, Finesse und vor allem eine eigenständige Persönlichkeit. Dieser portugiesische Weisswein zeigt eindrucksvoll, dass das Alentejo weit mehr zu bieten hat als das klassische Bild sonnenverwöhnter, opulenter Weine. Ein faszinierender Weißwein, der die Wärme des Südens mit der Präzision eines deutlich kühleren Terroirs verbindet. Cremig und gleichzeitig straff, kraftvoll und dennoch elegant, mit einer wunderbaren Frucht und einer geradezu verblüffenden salzigen Mineralität. Ein Wein mit Tiefgang, Spannung und enormem Entwicklungspotenzial. Der Taifa gehört zweifellos zu den spannendsten Beispielen dafür, was der moderne portugiesische Weißweinbau heute leisten kann. Wer große, anspruchsvolle Weißweine mit Charakter und Persönlichkeit liebt, sollte diesen Wein unbedingt auf dem Radar haben. Richtig großer Stoff aus dem Alentejo!
Symington Family Estates
Es gibt Entscheidungen, die in der Geschichte eines Weinguts eine besondere Bedeutung besitzen. Für die Familie Symington war das Jahr 2017 zweifellos ein solcher Moment.
Nach 135 Jahren Weinbau im Douro-Tal, fünf Generationen Erfahrung und einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte mit einigen der berühmtesten Portweinhäuser Portugals wagte die Familie erstmals den Schritt in eine andere Weinregion. Das Ziel: das Alentejo. Genauer gesagt Portalegre, ganz im Norden dieser weitläufigen, sonnenverwöhnten Landschaft. Ein außergewöhnliches Terroir, das mit den klassischen Vorstellungen vom Alentejo nur wenig gemeinsam hat. Mit dem Erwerb der Quinta da Fonte Souto begann für die Symington Family Estates ein neues Kapitel. Nicht etwa, um das erfolgreiche Konzept ihrer Douro-Weine einfach auf eine andere Region zu übertragen, sondern um das eigenständige Potenzial dieser besonderen Herkunft zu erschließen. Im Mittelpunkt steht seitdem eine klare Vorstellung: Weine zu erzeugen, die die Kraft und aromatische Tiefe des portugiesischen Südens mit Frische, Eleganz und einer unverwechselbaren Persönlichkeit verbinden
135 Jahre Douro. Ein neuer Anfang
Die Geschichte der Familie Symington ist untrennbar mit dem portugiesischen Weinbau verbunden. Seit 1882 ist die Familie im Douro-Tal verwurzelt und zählt heute mit ihren traditionsreichen Häusern Graham’s, Dow’s, Warre’s und Cockburn’s zu den bedeutendsten Produzenten hochwertiger Portweine. Über fünf Generationen hinweg hat sie ein außergewöhnliches Wissen über Weinbergsbewirtschaftung, Rebsorten, Vinifikation und den Ausbau langlebiger Spitzenweine aufgebaut. Umso bemerkenswerter war die Entscheidung, erstmals außerhalb des Douro-Tals ein eigenes Weingut zu erwerben. Dabei war das Alentejo keineswegs eine zufällige Wahl. Schon mehrere Jahre vor dem Kauf hatte sich die Familie intensiv mit der Region beschäftigt und nach einer geeigneten Immobilie gesucht. Im Frühjahr 2017 wurde sie schließlich bei Portalegre fündig. Das damals unter dem Namen Altas Quintas bekannte Anwesen verfügte bereits über etablierte Weinberge und eine entsprechend ausgestattete Kellerei. Was die Symingtons besonders faszinierte, waren allerdings weder die Größe des Besitzes noch die Möglichkeiten einer schnellen Expansion. Entscheidend waren die außergewöhnlichen klimatischen Bedingungen, die Böden und das Potenzial der bereits vorhandenen Weinberge. Vor allem die Höhenlage weckte das Interesse der Familie. Schließlich besitzt auch das Douro-Tal zahlreiche hoch gelegene Weinberge, deren kühleres Mikroklima entscheidend zur Frische und Komplexität der Weine beiträgt. Diese Gemeinsamkeit machte Portalegre zu einem ausgesprochen interessanten Standort. Die Familie erwarb bewusst keine vorhandenen Weinbestände des bisherigen Betriebs. Stattdessen sollte die Geschichte der Quinta da Fonte Souto mit eigenen Weinen und einer klar definierten Qualitätsphilosophie neu beginnen. Bereits der Jahrgang 2017 wurde unter der Regie der Symingtons vinifiziert. Im Jahr 2019 kamen schließlich die ersten Weine auf den Markt.
„Das Alentejo ist weit mehr als Sonne und kraftvolle Rotweine. In den kühlen Höhenlagen von Portalegre zeigt die Region ihre überraschend elegante Seite“
Die Weine der Quinta da Fonte Souto
Bereits mit der Vorstellung der ersten Weine im Jahr 2019 machte die Familie Symington deutlich, wie differenziert sie das Potenzial des Anwesens nutzen wollte. Die Weine der Linie Florão bilden den zugänglicheren Teil des Sortiments. Sie stehen für eine lebendige Frucht, Frische und einen unkomplizierten, dennoch anspruchsvollen Trinkgenuss. Die unter dem Namen Quinta da Fonte Souto vermarkteten Rot- und Weißweine repräsentieren den klassischen Stil des Weinguts. Hier stehen die besonderen Eigenschaften des Terroirs im Mittelpunkt: aromatische Konzentration, Struktur, Frische und eine ausgewogene Balance zwischen Frucht und Eleganz. An der Spitze der Rotweinkollektion steht der Vinha do Souto, dessen Grundlage vor allem Alicante Bouschet und Syrah bilden. Die Trauben stammen aus sorgfältig ausgewählten Parzellen mit niedrigen Erträgen. Entsprechend kraftvoll und konzentriert präsentiert sich dieser Wein, ohne dabei die charakteristische Frische seiner Höhenlagen zu verlieren. Daneben entstehen ausgewählte reinsortige Weine, mit denen das Weingut die besonderen Eigenschaften einzelner Rebsorten und Jahrgänge herausarbeitet. Limitierte Abfüllungen aus Alfrocheiro, Alicante Bouschet oder Syrah zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial in den unterschiedlichen Weinbergsparzellen steckt. Eine besondere Stellung innerhalb der Kollektion nimmt jedoch der Weißwein Taifa ein.
Nachhaltigkeit und Verantwortung
Die besondere Landschaft rund um die Quinta da Fonte Souto ist nicht nur ein wesentliches Element ihrer Identität, sondern auch ein wichtiger Bestandteil der langfristigen Philosophie des Weinguts. Die ausgedehnten Waldflächen mit ihren Korkeichen, Kastanien und weiteren heimischen Baumarten bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Die Familie Symington engagiert sich deshalb für die Regeneration und den langfristigen Erhalt dieser wertvollen Ökosysteme. Auf rund 100 Hektar Waldfläche werden Maßnahmen zur Förderung heimischer Baumarten und der biologischen Vielfalt umgesetzt. Gleichzeitig sollen widerstandsfähige Waldstrukturen entstehen, die auch das Risiko schwerer Waldbrände reduzieren können. Gerade angesichts zunehmender sommerlicher Hitze und unregelmäßiger Niederschläge spielt der verantwortungsvolle Umgang mit natürlichen Ressourcen eine immer wichtigere Rolle. Die nachhaltige Bewirtschaftung der Weinberge und der Schutz der umgebenden Landschaft sind deshalb eng miteinander verbunden. Dabei verfolgt die Familie keinen kurzfristigen Ansatz. Vielmehr versteht sie die Quinta da Fonte Souto als langfristiges Projekt, dessen Entwicklung über viele Jahre und Generationen hinweg betrachtet werden muss. Passend dazu steht das Weingut unter dem portugiesischen Leitgedanken Um outro vagar, sinngemäß „Ein anderer Rhythmus“. Eine Hommage an die entspanntere Lebensweise des Alentejo und zugleich Ausdruck der Überzeugung, dass große Weine Zeit, Geduld und eine intensive Auseinandersetzung mit ihrer Herkunft benötigen.
Eine neue Dimension des Alentejo
Was die Familie Symington mit der Quinta da Fonte Souto geschaffen hat, ist weit mehr als eine Erweiterung ihres ohnehin beeindruckenden Weinportfolios. Das Projekt steht für die bewusste Auseinandersetzung mit einer Weinregion, deren qualitative Möglichkeiten noch längst nicht vollständig ausgeschöpft sind. Die Entscheidung für Portalegre war dabei ebenso konsequent wie vorausschauend. Während viele Erzeuger im Alentejo traditionell auf reife Frucht, Konzentration und kraftvolle Weinstile setzen, richtet sich der Blick der Symingtons besonders auf die Möglichkeiten der Höhenlagen. Die kühleren Bedingungen der Serra de São Mamede, die kargen Schiefer- und Granitböden und die bereits etablierten Rebstöcke schaffen hervorragende Voraussetzungen für Weine, die ihre Herkunft auf eine ausgesprochen individuelle Weise widerspiegeln. Besonders die Weißweine zeigen, wie faszinierend das Zusammenspiel von südlicher Reife und kühler Präzision sein kann. Mit dem Taifa besitzt das Weingut inzwischen einen Spitzenweißwein, der diesen Anspruch besonders eindrucksvoll verkörpert. Die Quinta da Fonte Souto verbindet damit die jahrzehntelange Erfahrung einer der bedeutendsten portugiesischen Winzerfamilien mit der Eigenständigkeit eines außergewöhnlichen Terroirs. Eine faszinierende Entwicklung, die zeigt, dass die Zukunft großer Weine aus dem Alentejo nicht allein in Kraft und Konzentration liegt, sondern zunehmend auch in Finesse, Frische und einer unverwechselbaren Persönlichkeit.
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– Piero Sini –

